Montag, September 24, 2007

Bruce Springsteen & the E-Street-Band - Magic

...und da stapft sie durch die Tür, gar nicht so laut und lärmend, wie die Vorabsingle hat mutmassen lassen, und sie ist so wunderbar und packend und ergreifend wie eh und je. Und sie hat alles, worauf ich fünf Jahre gewartet habe, das perlende Klavier von Roy Bittan und die Lofgren- und Van Zandt- Gitarren und das Glockenspiel von Brendon O'Brien und Clarences Sax und über all dem diese Stimme, die zwischen Kraft und Gebrochenheit vibriert und die so viel erzählt, ohne daß man ein Wort verstehen muß.

Doch da ist noch mehr: eine ganz eigentümliche, gelegentliche Hinwendung zu so etwas wie Pop, die sich auf "The Rising" rückblickend schon angebahnt hatte und hier nun noch stärker ausgeprägt ist, den ewigen Inbegriff von amerikanischer Rockmusik plötzlich stellenweise in britische Gefilde führt, und, gekrönt von schwelgerischen Streicherarrangements, auf "Your Own Worst Enemy", believe it or not, direkt neben Rufus Wainwright zu wohnen scheint. Und genau hier macht dann auch der zunächst etwas eigentümlich wirkende Titel des Albums auf einmal Sinn...

Daneben stehen dann Songs, die wie ein Outtake von "The River" wirken ("Livin' in the Future"), oder die E-Street-Tradition des epischen Rocksongs in neue Höhen schrauben ("Last to Die"). Und schliesslich - am perfektesten auf "Gypsy Biker" - immer wieder das, was diese Band so kann, wie keine zweite, und wofür Bruce, trotz aller Großartigkeiten zwiwschen "Nebraska" und den grandiosen Seeger-Sessions, diese Wahnsinnsband einfach braucht: diese unnachahmlichen, wuchtigen und schmerzhaft schönen Inszenierungen von kleinen Harmonie- und Akkordwechseln, die es einem erst kalt den Nacken und dann feucht die Wangen herunterlaufen lassen.

"Magic" wird in Gänze vermutlich nicht die Bedeutung bekommen, die "The Rising" in der traumatisierten Post-9/11-Zeit erhalten hat, aber ein weiteres Ausnahmealbum ist es auf jeden Fall geworden, ein weiteres dieser Band und dieses Mannes, das daran erinnert, wie wichtig diese Musik für einen war und ist. Und auf sowas wartet man dann auch gerne mal fünf Jahre.