Donnerstag, Oktober 15, 2009

Ein paar Anmerkungen zum gestrigen Felice Brothers Konzert in Köln

1. Die "Kulturkirche" in Köln-Nippes liegt aber mal sowas von mitten in einem Wohngebiet, umgeben von lauter knallengen Einbahnstrassen mit äusserst begrenztem Parkplatzangebot. Geschlagene 30 Minuten musste ich durch die Gegend gondeln, bis schliesslich mal einer frei wurde. Die Kirche selbst war dann toll ausgeleuchtet und erstaunlich gut beheizt, was leider auch für das dort zu erwerbende Bier Kölsch und Mineralwasser galt.

2. Für den das Vorprogramm bestreitenden, wunderbaren A.A.Bondy mit seinem athmosphärischen viel-leise-wenig-laut Folk-Rock war das Setting ideal, für die ausgelassenen Brothers aus New York State dagegen eher fatal. Der Sound war matschig und verwaschen und die Kirchenumgebung schien die Band immer wieder zu irritieren. Die gehören in einfach in einen stickigen, verrauchten Kellerclub mit direktem, nicht durch Kirchenbänke gestörtem Kontakt zum Publikum.

3. Hab ich da hier in der Provinz was nicht mitbekommen, sind die Felice Brothers jetzt plötzlich das nächste große Ding, bei dem jeder zweite hornbrillentragende Hipster und seine Prosecco-Gang gewesen sein muss? Gut die Hälfte des Publikums bestand aus schnöseligem irgendwas-mit-Medien-Volk, das sich bis zur Zugabe als äusserst animationsresistent zeigte (was James Felice dann, als die verlangte Reaktion bei "Penn Station" kurz vor Ende des Abends endlich mal nicht ausblieb, zur verschmitzten Bemerkung "So you do understand English..." veranlasste).

4. Trotz all diesen Wassers im Wein war es ein herrlicher Abend mit einer gut aufgelegten Band, die trotz mehrfacher Ankündigung der Veranstalter, jetzt müsse wirklich Schluss sein, einfach nicht von der Bühne verschwinden wollte und gute 30 Minuten über die erlaubte Zeit (remember: Wohngebiet, Kirche. Und das berüchtigte Kölner Ordnungsamt) immer noch einen weiteren Song spielte und am Ende dann auch noch etwas eckig aber schön durch "Powderfinger" vom ollen Neil stolperte.

5. Übrigens ist mir dann gestern - vor allem durch das Stageacting von Greg Farley, der mit Baseballkappe und Old-School-Sweatshirt wie direkt aus einem Run DMC oder Gang Starr Video entsprungen agierte - aufgegangen, wie sehr doch Hip-Hop und Americana verbunden sind, auch wenn man das erstmal gar nicht glaubt. Der Gesangsstil von Ian Felice ist tatsächlich eben so nah dran an Dylan wie an Rap. Ach was, eigentlich ist "Subterranean Homesick Blues" ja auch schon Rap gewesen.