Sonntag, Oktober 18, 2009

Lucero - 1372 Overton Park

Als Lucero zuletzt in Deutschland gespielt haben, wollten nur eine Handvoll Leute sie sehen. Nach katastrophalem Vorverkauf wurde das Konzert kurzerhand mit dem einer Irgendwas-Punkband zusammengelegt, Lucero druften dann wohl ein gutes halbes Stündchen für vielleicht 15 Zuschauer spielen. Ich war nicht unter ihnen, aber ein guter Freund berichtete mir am Tag danach, dass er von den Jungs noch zu Jack Daniels und später auch nach Tennessee eingeladen wurde.

Genau so stellte ich mir sie auch immer vor. Als kernige, aber wahnsinnig nette Typen, mit denen man gerne ein paar Biere austrinken würde. Nach acht Jahren Indie-Band-Dasein kommt nun ihr Major-Debut auf den Markt und es ist wohl vorerst ihr Meisterwerk. Schon immer gelegentlich Springsteeneskes Terrain streifend, ist der E-Street-Band-Einfluss jetzt noch stärker zu hören und ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig der Boss und seine Hausband gerade heute noch sind. Reich instrumentiert waren Luceros letzte beiden Alben auch schon, nun kommt auch noch bei gut der Hälfte der Songs eine fette Bläsersektion hinzu, die den Songs unglaublich gut steht. Überhaupt, die Songs: konzises und konzentriertes Songwriting, aber ausgelassene und Spielfreude demonstrierende Ausführung. Eigentlich müsste "1372 Overton Park" das Durchbruch-Album der Band werden und sie diesmal hierzulande in wesentlich besser gefüllten Läden spielen lassen. Ich wünsch es ihnen jedenfalls.



Zu jedem Song des Albums gibt es ein Video bei Vimeo, allesamt von Fans produziert; in leider eher streuender Qualität, aber der Aufwand sei honoriert. Die Beiträge zu "Johnny Davis", "Halfway Wrong" und "What are you willing to lose" sind jedenfalls ganz sehenswert.