Montag, Dezember 28, 2009

Kurzer Hinweis


Ein letzter Country- und Americana-Abend für die Nuller-Jahre mit den Good Ol' Boys findet heute abend im Zacher, Brüderstr. 6, Bochum statt. Ab 21:00 präsentieren Teddy Koch, Grandpa Zobel und meine Wenigkeit also zum (wenn ich mich nicht verzählt habe) achten mal feinste Volksmusik aus God's Own Country. Wer möchte darf zudem um Mitternacht noch auf meinen Geburtstag anstossen.

Sonntag, Dezember 20, 2009

Gerne gehörte Alben 2009 (a.k.a End of Year List)

2009 war ein großartiges Musikjahr. Zumindest für mich. Um nochmal ein Jahr zu finden, in dem so viel aufregende, spannende, überwältigende, ergreifende Werke aus allen möglichen Genres erschienen sind, müsste ich vermutlich weit zurückgehen.

Und so ist es nur konsequent, wenn ich jetzt nicht ein einzelnes Album des Jahres benennen kann, sondern es derer zwei - einmal ein konzeptuelles Gesamtwerk und einmal eine klassische Songsammlung (plus eine Art Appendix) - sind. Beide gemeinsam stehen darüber hinaus für Grenzverschiebungen im Bereich Populärmusik, beide demonstrieren auf ihre jeweils eigene Art was gegenwärtig möglich ist bei gleichzeitig nicht unmoderatem Erfolg und beide sind, jawoll, bewusstseinserweiternd. Gemeint sind "Embryonic", das unglaubliche Grosswerk der Flaming Lips, sowie "Merriweather Post Pavillon" (sowie, weil sie einfach dazugehört und das Jahr so schön abgeschlossen hat, die "Fall Be Kind-E.P.") von Animal Collective. Während die Lips ihr eigenes Konzept nach einer etwas enttäuschenden Stagnationsphase radikal überdacht haben und einen für eine Grammy-ausgezeichnete Band überwältigenden Experimentierungswillen an den Tag legen, dessen Ergebnis noch das legendäre "Zaireeka" übertrifft und ein wahrer Brocken von einem Album, mit nicht zu überhörenden Anleihen an Miles Davis elektrische Phase, geworden ist, sind Animal Collective nach der Quasi-Punkrock-Phase von "Strawberry Jam" erstaunlicherweise die Zukunft der Popmusik geworden, die geradezu wahre Wunder an Songs wie das majestätische "What would I want Sky" oder "Also frightened" wie aus dem Ärmel geschüttelt wirken lassen. In einer besseren Welt wäre zudem "Brother Sport" der Crossover-Dancefloorhit des Jahres gewesen.


Auf den Rängen (in alphabetischer Reihung):

The Avett Brothers - I & Love & You
Rick Rubin did it again: die eigentliche Seele dieser Band eingefangen durch reine Konzentration. Nach gut 10 Jahren Bandgeschichte das vorläufige Meisterwerk.

Baroness - Blue Record
Ganz, ganz grosse Band, Beinah-Metal ohne jeglichen Makel.

Neko Case - Middle Cyclone
Frau Case entfernt sich mit jedem neuen Album zwei Schritte weiter vom Alt-Country-Terrain, und es steht ihr unheimlich gut.

Drive By Truckers - The Fine Print
"Nur" ein Outtakes- und Raritäten-Album, das als solches besser ist, als so manches reguläre anderer Bands.

Bob Dylan - Together through Life
Der Meister ist jetzt bei Tex-Mex angekommen, und auch dort natürlich meisterhaft.

John Fogerty - The Blue Ridger Ranger Rides Again
Wundervolle Fortsetzung von Fogertys Country-Projekt.

Fuck Buttons - Tarot Sport
White Noise, Tech-House-Rhythmik und Drones als Pop. Andy Weatherall, ein alter Held von mir, hat ausladend produziert. Funktioniert nur laut, dann aber gewaltigst.

fun. - Aim & Ignite
Unwiderstehliches, überbordend arrangiertes Großwerk mit Anleihen bei E.L.O., Dexys Midnight Runners, Queen, Elton John, und und und. Quasi Mika in gut.

Grizzly Bear - Veckatimest
Habe erst kurz vor Jahresende gemerkt, wie großartig dieses Album mit seinen immer wieder an Tim Buckley erinnernden Songs ist. Passt darüber hinaus ziemlich genau in die Mitte der beiden diesjährigen Werke von Animal Collective (siehe oben).

Ha Ha Tonka - Novel Sounds of the Nouveau South
Schon mit dem Zweitling ist meine Entdeckung 2007 unglaublich gereift. Schwieriger als das Debut, aber nicht minder mireissend.

Robyn Hitchcock & the Venus 3 - Goodnight Oslo
The thinking Man's Morrissey mit einem elder statesmen Album voller kleiner Perlen.

Lucero - 1372 Averton Park
Siehe dazu hier.

Mastodon - Crack the Skye
Beeindruckend in seiner Komplexität bei gleichzeitig massivstem Wumms und, so man diesen Begriff in einer Metal-spezifischen Ausprägung verstehen kann, Catchiness. Free-Rock, die erste.

Moonalice - Moonalice
Eine etwas andere T Bone Burnett Produktion, wuchtiger und voller im Klang. Eigentlich eine Jam-Band, was man dem zwischen AOR-Pop, Country und Rock oszillierenden Album aber eher nicht anhört.

Franz Nicolay - Major General
Siehe dazu hier.

Connor Oberst & the Mystic Valley Band - Outer South
Das beste, was der Mann seit Jahren veröffentlicht hat, was sicher auch an den Mitmusikern (und vor allem: Mitautoren der Songs, Nik Freitas anyone?) liegt.

The Paper Chase - Some Day This could All be Yours Vol.1
Teil eins eines Konzeptwerks über Naturkatastrophen. Erfindungsreich und dramatisch wie immer, will sie jetzt endlich auch mal live sehen dürfen, bitte.

Phish - Joy
Natürlich nicht die Neuerfindung des Rades, aber ein solides Comeback mit auch im Studio funktionierendem Material.

Polvo - In Prism
Comeback des Jahres, und das völlig unerwartet. Druckvoller und ausgefeilter als je zuvor - und der neue Drummer ist ein Tier.

Rhett Miller - Rhett Miller
Soloalbum des Old97s-Sängers, das nur zum Teil so klingt, wie man es erwarten würde. Dass er Songs schreiben kann, war klar, aber dass er auch ansatzweise mit New Wave Sprengseln arbeiten würde, hätte ich so nicht gedacht.

Those Darlins - Those Darlins
Erfrischender Bubblegum-Countrypop von drei entzückenden jungen Damen.

White Denim - Fits
Meine Entdeckung des Jahres. Wildeste Instrumentalschlachten auf Garage-Rock- und Blues-Grundlage, ein ungewaschener Bastard aus der Magic Band, Minutemen und Jon Spencer Blues Explosion und das beste Power-Trio seit langem. Free-Rock, die zweite.

Wilco - Wilco (The Album)
Wieder auf höchstem Niveau, dabei weitaus weniger experimentell als angekündigt. Wie auch schon auf "Sky Blue Sky" bleibt festzustellen: der Tablettenentzug hat Tweedy äusserst gut getan.


Honourable mentions: Grant Hart - Hot Wax, A.A. Bondy - When The Devil’s Loose, Ike Reilly - Hard Luck Stories, David Bazan - Curse Your Branches, A.C. Newman - Get Guilty, V.A. - Funny People OST, Sunset Rubdown - Dragonslayer, Fanfarlo - Reservoir

Sonntag, Dezember 13, 2009

NRW-Schüttelreime (I)

In Wattenscheid, bei Günnigfeld, sind heut noch Mark und Pfennig Geld.

Mein Auto in Aachen-Schleckheim fing sich ein am Heck Schleim.

Es heisst von Dortmund-Westerfilde, dort feier man gerne Feste: wilde.

Die Wuppertaler Samenbank ging unter mit, als Barmen sank.

Man haut in Hattingen-Bredenscheid des öft'ren einen Schweden breit.

Es war in Bochum-Hordel King, ein Typ, der an 'ner Kordel hing.

Donnerstag, Dezember 10, 2009

Hallo Unitymedia GmbH, Aachen,

daß ihr mich seit Monaten mit regelmässiger Werbung für Eure mich ziemlich kalt lassende Produktpalette auf postalischem wie auch telefonischem Wege geradezu bombadiert, damit habe ich mich abgefunden: an das Festnetztelefon gehe ich sowieso nur noch, wenn ich die angezeigte Nummer kenne und die Post wandert ungeföffnet in den Müll. Gestern habe ich aber aus einer Laune heraus doch mal einen dieser Briefe geöffnet und stoße am Ende eines Eurer pseudopersönlichen Anschreiben auf den Satz "wenn sie in Zukunft keine schriftlichen Produktinformationen von uns wünschen, teilen sie uns das bitte schriftlich mit". Sagt mal, Unitymedia GmbH Aachen, gehts noch, habt Ihr noch alle Latten am Zaun? Ich wüsste nicht, dass ich jemals bei irgendwem um "schriftliche Produktinformationen" gebeten hätte, noch nicht mal in einem Gespräch mit Freunden oder Bekannten, so nach dem Motto: "hach, was fänd ich das gut, wenn die Unitymedia GmbH Aachen mir mal schriftliche Produktinformationen zukommen lassen würde" oder so: nein, wirklich, hab ich nicht, niemals, never, no fuckin' way! Und jetzt, wo ich sie dennoch mit einer durchaus deutsch zu nennenden Gründlichkeit und in (un-)schöner Regelmässigkeit erhalte, da soll ich auch noch aktiv werden, einen Brief schreiben, in einen Umschlag stecken, eine Marke kaufen, diese draufkleben, zum Briefkasten gehen und das ganze abschicken, damit Ihr, Unitymedia GmbH Aachen, mich in Zukunft in Ruhe lasst? Womöglich schreibt Ihr mir dann sowieso nochmal, á la "wir haben Ihren Brief erhalten und bedauern zutiefst, daß Sie blah blah blubb etc etc", ist es nicht so? Wie schon gesagt, Unitymedia GmbH Aachen: habt Ihr noch alle Latten am Zaun?

Sonntag, Dezember 06, 2009

Lieblingsmusik der Nuller

Damit hier überhaupt mal wieder was passiert und ja auch allentorten "Best Of Deacde"-Listen zu lesen sind, hier mal meine Lieblingsplatten 2000-2009, vollkommen subjektiv und definitiv gegenwartsretrospektiv (will sagen: kann in zehn Jahren zu Teilen durchaus anders ausfallen), in absteigender Reihenfolge:

Drive By Truckers - The Dirty South (2004)
The Hold Steady - Boys and Girls in America (2006)
Animal Collective - Merriweather Post Pavillon (2009)
Sufjan Stevens - Illinoise (2005)
Beck - Sea Change (2002)
Wilco - Sky Blue Sky (2007)
Metro Area - Metro Area (2002)
Nik Bärtsch's Ronin - Stoa (2006)
Okkervil River - Black Sheep Boy (2005)
V.A. - O Brother, Where art Thou? OST (2000)
The Flaming Lips - Embryonic (2009)
The Hold Steady - Stay Positive (2008)
Ryan Adams - Heartbreaker (2000)
The Go-Betweens - Oceans Apart (2005)
Beta Band - Hot Shots II (2001)
Rufus Wainwright - Want One & Two (2003/2004)
Clem Snide - The End of Love (2005)
Primal Scream - XTRMNTR (2000)
Johnny Cash – American IV (2002)
Ha Ha Tonka - Buckle in the Bible Belt (2007)
Bobby Bare Jr. - The longest Meow (2006)
Simian - Chemistry is What We are (2001)
Dixie Chicks - Taking the Long Way (2006)
Element of Crime - Mittelpunkt der Welt (2005)
Baroness - The Red Album (2007)
Robyn Hitchcock & the Venus 3 - Olé! Tarantula (2006)
Phish - Farmhouse (2001)
The Paper Chase - God bless Your Black Heart (2004)
My Morning Jacket - Z (2005)
Drive By Truckers - Decoration Day (2003)
Neko Case - Blacklisted (2002)
T Bone Burnett - The True False Identity (2005)
Wilco - A Ghost is Born (2004)
Bob Dylan - Love and Theft (2001)
Lucero - Rebels, Rogues & Sworn Brothers (2006)
Animal Collective - Strawberry Jam (2007)
Phish - Undermind (2004)
The Flaming Lips - Yoshimi Battles The Pink Robots (2002)
Nickel Creek - Why Should the Fire Die? (2005)
Queens of the Stone Age - Songs for the Deaf (2002)
Bruce Springsteen - The Rising (2002)
White Denim - Fits (2009)
The Hold Steady - Separation Sunday (2005)
Robert Plant & Alison Krauss - Raising Sand (2007)
Elvis Costello & The Imposters - When I was Cruel (2002)
fun. - Aim & Ignite (2009)
Wilco - Yankee Hotel Foxtrot (2002)
Neil Diamond - 12 Songs (2005)
Steely Dan - Everything must Go (2003)
Arcade Fire - Neon Bible (2007)
Ike Reilly Assassination - Sparkle in the Finish (2004)
Ryan Adams & The Cardinals - Cold Roses (2005)
The Avett Brothers - I and Love and You (2009)
Bruce Springsteen - We Shall Overcome: The Seeger Sessions (2005)
Muse - Absolution (2003)
V.A. - Freaks and Geeks OST (2004)
Brooks - You, Me & Us (2002)
The Shins - Wincing the Night away (2007)
Warren Zevon - The Wind (2003)
Paul Weller - As is Now (2005)

Interessanter als die Liste an sich ist wahrscheinlich aber, wie immer, was nicht auf ihr ist. Mit Radiohead konnte ich halt nie was anfangen, Hip-Hop ist überhaupt nicht meins, Metal/Hardrock hab ich seit Ende der 90er grundsätzlich vernachlässigt (fang gerade erst an, das aufzuarbeiten; Mastodon und Baroness sind schonmal grandios) und geht mich bloss wech mit Blumfeld oder Notwist. Ansonsten hab ich unter Umständen auch was vergessen, das ist dann leider so. Beschimpfungen bitte in den Kommentarbereich, danke für ihre Aufmerksamket.

Sonntag, Oktober 18, 2009

Lucero - 1372 Overton Park

Als Lucero zuletzt in Deutschland gespielt haben, wollten nur eine Handvoll Leute sie sehen. Nach katastrophalem Vorverkauf wurde das Konzert kurzerhand mit dem einer Irgendwas-Punkband zusammengelegt, Lucero druften dann wohl ein gutes halbes Stündchen für vielleicht 15 Zuschauer spielen. Ich war nicht unter ihnen, aber ein guter Freund berichtete mir am Tag danach, dass er von den Jungs noch zu Jack Daniels und später auch nach Tennessee eingeladen wurde.

Genau so stellte ich mir sie auch immer vor. Als kernige, aber wahnsinnig nette Typen, mit denen man gerne ein paar Biere austrinken würde. Nach acht Jahren Indie-Band-Dasein kommt nun ihr Major-Debut auf den Markt und es ist wohl vorerst ihr Meisterwerk. Schon immer gelegentlich Springsteeneskes Terrain streifend, ist der E-Street-Band-Einfluss jetzt noch stärker zu hören und ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig der Boss und seine Hausband gerade heute noch sind. Reich instrumentiert waren Luceros letzte beiden Alben auch schon, nun kommt auch noch bei gut der Hälfte der Songs eine fette Bläsersektion hinzu, die den Songs unglaublich gut steht. Überhaupt, die Songs: konzises und konzentriertes Songwriting, aber ausgelassene und Spielfreude demonstrierende Ausführung. Eigentlich müsste "1372 Overton Park" das Durchbruch-Album der Band werden und sie diesmal hierzulande in wesentlich besser gefüllten Läden spielen lassen. Ich wünsch es ihnen jedenfalls.



Zu jedem Song des Albums gibt es ein Video bei Vimeo, allesamt von Fans produziert; in leider eher streuender Qualität, aber der Aufwand sei honoriert. Die Beiträge zu "Johnny Davis", "Halfway Wrong" und "What are you willing to lose" sind jedenfalls ganz sehenswert.

Donnerstag, Oktober 15, 2009

Ein paar Anmerkungen zum gestrigen Felice Brothers Konzert in Köln

1. Die "Kulturkirche" in Köln-Nippes liegt aber mal sowas von mitten in einem Wohngebiet, umgeben von lauter knallengen Einbahnstrassen mit äusserst begrenztem Parkplatzangebot. Geschlagene 30 Minuten musste ich durch die Gegend gondeln, bis schliesslich mal einer frei wurde. Die Kirche selbst war dann toll ausgeleuchtet und erstaunlich gut beheizt, was leider auch für das dort zu erwerbende Bier Kölsch und Mineralwasser galt.

2. Für den das Vorprogramm bestreitenden, wunderbaren A.A.Bondy mit seinem athmosphärischen viel-leise-wenig-laut Folk-Rock war das Setting ideal, für die ausgelassenen Brothers aus New York State dagegen eher fatal. Der Sound war matschig und verwaschen und die Kirchenumgebung schien die Band immer wieder zu irritieren. Die gehören in einfach in einen stickigen, verrauchten Kellerclub mit direktem, nicht durch Kirchenbänke gestörtem Kontakt zum Publikum.

3. Hab ich da hier in der Provinz was nicht mitbekommen, sind die Felice Brothers jetzt plötzlich das nächste große Ding, bei dem jeder zweite hornbrillentragende Hipster und seine Prosecco-Gang gewesen sein muss? Gut die Hälfte des Publikums bestand aus schnöseligem irgendwas-mit-Medien-Volk, das sich bis zur Zugabe als äusserst animationsresistent zeigte (was James Felice dann, als die verlangte Reaktion bei "Penn Station" kurz vor Ende des Abends endlich mal nicht ausblieb, zur verschmitzten Bemerkung "So you do understand English..." veranlasste).

4. Trotz all diesen Wassers im Wein war es ein herrlicher Abend mit einer gut aufgelegten Band, die trotz mehrfacher Ankündigung der Veranstalter, jetzt müsse wirklich Schluss sein, einfach nicht von der Bühne verschwinden wollte und gute 30 Minuten über die erlaubte Zeit (remember: Wohngebiet, Kirche. Und das berüchtigte Kölner Ordnungsamt) immer noch einen weiteren Song spielte und am Ende dann auch noch etwas eckig aber schön durch "Powderfinger" vom ollen Neil stolperte.

5. Übrigens ist mir dann gestern - vor allem durch das Stageacting von Greg Farley, der mit Baseballkappe und Old-School-Sweatshirt wie direkt aus einem Run DMC oder Gang Starr Video entsprungen agierte - aufgegangen, wie sehr doch Hip-Hop und Americana verbunden sind, auch wenn man das erstmal gar nicht glaubt. Der Gesangsstil von Ian Felice ist tatsächlich eben so nah dran an Dylan wie an Rap. Ach was, eigentlich ist "Subterranean Homesick Blues" ja auch schon Rap gewesen.

Mittwoch, Oktober 07, 2009

Auch toll...

...so ein bißchen die Schnittmenge aus Pavement, den Strokes und noch irgendwas Drittem, auf das ich gerade nicht komme: das Duo (!!!) Bad Veins aus Cincinnati, OH.

Mittwoch, September 30, 2009

He did it again...

Weil hier lange nix passiert ist, mal eine kurze "lebe noch"-Meldung und eine Empfehlung: die neueste Grosstat von Rick Rubin ist seine Produktion des eben erschienenen vierten (oder fünften? Komm da immer etwas durcheinander...) Albums der Avett Brothers. Ganz ganz grosses Kino!

Freitag, August 14, 2009

Zensursula-Update

Wegen fehlender Zeit und zu gutem Wetter hier nur ein paar Links, hinter denen einiges lesenswerte zu finden ist:

Politplatschquatsch: Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft ist aus den Ferien zurück und fordert schärfere Kontrollen im Internet. Nicht das wahre Leben, sondern das Netz, in dem die Zahl der Straftaten zuletzt um ein Viertel zurückgegangen war, sei der größte Tatort der Welt, verriet der Gewerkschaftsvorsitzende Rainer Wendt der "Berliner Zeitung".

Udo Vetter: Ich habe gerade dem Hessischen Rundfunk in einem Interview gesagt, die Forderung nach 2.000 zusätzlichen Cybercops, die im Internet auf Streife gehen, erinnere mich an Ostberlin, Teheran und Peking.

Netzpolitik.org: Setzt man den Wert in Relation zum amtlich verbürgten “Personenpotential” der rechten Szene, würde das bedeuten, dass im Vorjahr bereits jeder zwanzigste Rechtsextremist* in Deutschland einen solchen Beitrag verfasst hat! Also einen pro Jahr, so rein statistisch gesehen. Der Rest kann evtl. nicht schreiben (Oder in Mainz kommt man mit dem Zählen nicht nach, was mir wahrscheinlicher erscheint).

BKA unterstützt Kinderschänder

Der Sprecher des BKA gibt offen zu, dass seine Behörde offensichtlich nicht an der Löschung von Seiten mit kinderpornographischen Inhalt interessiert ist:

“Wir sind jederzeit willens und in der Lage, Sperrlisten für Kinderporno-Seiten im Internet zusammenzustellen”, erklärte jetzt ein Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) auf Nachfrage der taz
Wie viele Kinderporno-Seiten auf den vorbereiteten Sperrlisten des BKA stehen, wollte der Sprecher nicht sagen. “Ob wir die Zahlen veröffentlichen, überlegen wir erst, wenn es soweit ist und die Listen an die Provider gehen.”


Würg!

Samstag, August 08, 2009

Funny People zum zweiten

Ganz ehrlich, ich hatte den Gedanken, Apatows Drittling mit den Regiearbeiten von John Cassavetes zu vergleichen, beim Ansehen von "Funny People" auch schon, hab ihn dann aber beiseite gelegt und nicht hingeschrieben, im wesentlichen weil ich mit Cassavetes Filmen nicht wirklich gut vetraut bin. Dieser lesenswerte Artikel gibt meinem Instinkt aber tatsächlich recht:

"But with Funny People, Apatow has successfully grown beyond just being a reliable comic label and instead approaches the genre with more assuredness, freshness, and sincere emotional intent than any director of comedies working in mainstream filmmaking today. I would even venture to say Funny People marks a move echoing that of the career of John Cassavetes. While Cassavetes arguably never successfully worked in comedy, Funny People often reminded me of what the late filmmaker attempted to do with his seventies dramas.
(...)
While Apatow may never achieve (or even seek) the naturalism of Cassavetes, he undeniably gives his performers far denser and layered characterization than comedy characters are usually permitted to possess, which results in an often surprisingly touching, challenging, and humanistic approach to comedy as well as impressive performances like that of Sandler’s.
"

Donnerstag, August 06, 2009

SPD unterstützt Kinderschänder

Ahnungslosigkeit, dein Name ist Spezialdemokratie. Oder Politikerkaste. Während der eine SPD-Abgeordnete Privatleuten, die eigene DNS-Server betreiben wollen, die Unterstützung von Kinderschändern vorwirft, tut seine Partei eben dies:

"Also Herr Fischer, nun bin ich ehrlich entsetzt, da werfen Sie Herrn TurboTux vor, die Kinderschänder dieser Welt zu erfreuen, und was macht ihre Partei? Genau dasselbe.

Ihre Partei hat für sich die technischen Voraussetzungen geschaffen, damit sich Mitglieder und Mitarbeiter weiterhin unbeschränkt, wenn sie denn die Absicht hätten, die Vergewaltigung von Kindern betrachten können, und ermöglicht beliebigen Dritten den Zugang dazu. Die Kinderschänder in dieser Welt werden es Ihnen danken.
"

Dienstag, August 04, 2009

Funny People

Es gibt sowas wie die klassische Mise-en-scène für eine Stand-Up-Comedy-Situation. Ich bin nicht hundertprozentig sicher aber fast überzeugt, sie geht auf Bob Fosses "Lenny" zurück. Wenig dafür hartes Licht und somit starke Kontraste, unruhige Kamera, oft der Shot von hinter dem Comedian mit einem Scheinwerfer direkt von vorne, der das halbe Bild gleissend überstrahlt, zwischendurch kurze Schnitte ins Publikum. Das ganze wirkt gleichzeitig intim und die Einsamkeit der Person auf der Bühne betonend, merkwürdig abgehoben von dem ja eigentlich komischen Vortrag.




"Funny People" ist voller solcher Einstellungen, natürlich mit erwartbar weitaus expliziteren Witzen, was die Diskrepanz zum Innenleben der Charaktere nur weiter unterstreicht: der traurige oder gar verbitterte Clown, das ist ein Klischee, an dem wie immer eine Menge wahr sein dürfte. Die erst dritte Regiearbeit meines Hausgotts Judd Apatow, vor deren US-Kinostart am Wochenende ich so nervös und aufgeregt war, wie schon lange nicht mehr - sein bislang teuerster und vielfach kolportiert persönlichster Film, Janusz Kaminski an der Kamera, ein durch Trailer und Vorabberichterstattung bekannter "ernsthafter" Plot - ist tatsächlich brillant und auf eine Art und Weise erwachsen, die man von diesem Autor/Regisseur/Produzenten, der die Genres "R-Rated-" und "Romantic-Comedy" in den letzten Jahren quasi im Alleingang miteinander verheiratet hat, nicht unbedingt erwartet hat. Zumindest nicht so schnell.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die "Fuck"-per-Minute-Rate nicht ausserordentlich hoch und der Film ohne jede Menge Dick-Jokes auskommt. Doch sind diese zum grossen Teil auf einer Meta-Ebene angelegt, Teil der abgefilmten Stand-Up-Performances. Ausserhalb davon gibt es wenig grobe Komik, vielmehr sehr genaue Charakterstudien. Nein: es gibt Menschen zu sehen und beobachten in "Funny People", sehr echte, reale Menschen, die sich von den liebenswerten Charakteren in Apatows bisherigen Filmen durch mindestens jeweils zwei, drei zusätzliche Dimensionen abheben wollen.

Dass das auch funktioniert liegt auch den Schauspielern, von denen einige hier ihre bislang beste Leistung abliefern. Seth Rogen, der mindestens 15 Kilo abgenommen hat, gewinnt neue Facetten in seinem Spiel, Leslie Mann überzeugt absolut auf dem traditionell etwas schwierigen Feld, Apatows Frauenfiguren nicht als reine Karikatur anzulegen, und Adam Sandler ist unglaublich. Wenn man nicht schon "Punch Drunk Love" gesehen hätte, würde man nicht glauben, dass hier der "Happy Gilmore"-Darsteller agiert (vielleicht hilft es aber auch, dass er, dafür gibt es mehr als einen Anhaltspunkt, hier im wesentliche sich selber spielt). Hinzu kommen - auf dem eher komischen Feld - absolut umwerfende Nebenrollen von Jason Schwartzman, Jonah Hill, Aubrey Plaza und Eric Bana (dessen breitester Aussie-Akzent alleine schon ein Grund ist, um die deutsche Synchronisation einen weiten Bogen zu machen).

Noch was? Ja, der Soundtrack ist grandios. Ähnlich zurückhaltend wie der ganze Film, mit mit sehr viel Geschmack und Gefühl ausgesuchten Songs. Die Kameraarbeit ist erstklassig und mit so auch bei einer Apatow-Produktion noch nie gesehenen Edle, was aber bei Kaminski auch zu erwarten war. Das Sound-Editing, eine dieser Kategorien, bei denen man sich bei den Academy Awards immer fragt, wonach da ausgewählt wird - hier kann man tatsächlich mal die Kriterien nachvollziehen und geniessen.

Ich habe viel gelacht bei diesem Film, ein wenig geheult und immer wieder das Gefühl gehabt, einen zu gleichen Teilen wahren und warmherzigen Film zu sehen. Der dann auch noch auf ein nicht Hollywood-typisches, leicht herbes Ende setzt. Das wird nicht der erfolgreichste Apatow-Film werden, weiss gott und leider nicht, aber er ist der bislang beste. Und vielleicht mein Film des Jahres. Aber ich bin auch Fan, also: streichen sie das.

Roger Ebert ist vielleicht auch Fan, übrigens. Er beendete seine Kritik mit diesen Sätzen: "After an enormously successful career as a producer, this is Apatow's third film as a director, after "The 40-Year-Old Virgin" and "Knocked Up." Of him it can be said: He is a real director. He's still only 41. So here we go." Und auch das hat mir das Herz gewärmt. Wie schon der Film. Kann man mehr verlangen?


Im übrigen ist Bob Fosses "Lenny" sträflich unterbewert. Bitte unbedingt mal anschauen.

Sonntag, August 02, 2009

Ungebrochene Voodoo-Politik

Eine kurze Zeit war es etwas still um sie geworden, doch jetzt legt Zensur-Uschi wieder mal nach: wie schon mehrfach prophezeit spricht sie jetzt, noch bevor das Zensurgesetz durch diverse Verfahrensfehler und die noch fehlende Unterschrift des Bundespräsidenten, von der anstehenden Überprüfung durch das BverfG mal ganz zu schweigen, überhaupt in Kraft treten konnte, wieder über mögliche Ausweitungen:

" „Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder“, sagte sie abendblatt.de, der Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatts. „Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann.“

Von der Leyen betonte: „Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.“
"

Ja, der Klassiker vom "rechtsfreien Raum" musste ja auch wieder vorkommen, aber darüber hinaus möchte man ihr zurufen: "Sie wollen eine Debatte? Dann stellen sie sich ihr doch auch endlich, ohne die ganzen Lügen und ausgedachten Zahlen". Aber das ist zuviel verlangt von einer Symbol- und Voodoo-Politikerin, die trotz der ganzen Vorschläge und Aktionen, die sie und ihre Kaste wiederholt widerlegen und Lügen strafen, weiterhin sowas behauptet:

"Ihren Kritikern hielt von der Leyen entgegen, selbst kein Rezept gegen Kinderpornographie im Internet zu haben. Sie wüssten „auch keine Lösung", sagte sie."

Und so jemand lässt es sich auch nicht nehmen, zum Abschluss ihres Interviews Jörg Tauss einen Schlag mitzugeben:

"Das Verhalten von jemandem, der in einem laufenden Strafverfahren steht, kann ich nicht kommentieren. Aber ich habe erlebt, wie Jörg Tauss als Abgeordneter die SPD am Anfang die Debatte über den Umgang mit der Kinderpornografie dominiert hat. Er wollte jegliche Form von Regulierung im Internet verhindern. Dann wurde das Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Inzwischen sind viele in der SPD nachdenklich geworden."

Update, 19;15: Udo Vetter macht macht auch ein paar Anmerkungen:

"Mobben, beleidigen, betrügen. All das kann man im Internet tun. Genau so, wie man es im wirklichen Leben tun kann, zum Beispiel Angesicht zu Angesicht, per Brief, Fax oder Telefon. Aber egal, wie man es macht – es ist strafbar und wird verfolgt. Auch im Internet.

Ich erlebe es als Strafverteidiger Tag für Tag, wie die Polizei akribisch jeder Anzeige wegen Verletzung der persönlichen Ehre nachgeht. Neulich hatte ich den Fall, in dem jemand das Nacktfoto einer Frau im Gästebuch deren ehemaliger Schule gepostet hat. Die Polizei ermittelte aufwendig und überführte einen Ex-Freund als Täter. Das Internet als rechtsfreier Raum? Vielleicht hat der Täter dies zunächst so gesehen wie Frau von der Leyen – nach der Hausdurchsuchung dürfte sich sein Bild gewandelt haben.
"

Update, 03.08, 09:11:Rayson hat auch was dazu:

"Dass diese Frau sich solche Sprüche noch leistet, nach ihren erbärmlichen Versuchen, konkrete Beispiele für solche Fälle zu nennen, ist wirklich großes Poker. Das macht doch nichts, dass man gerade den Showdown mit nichts auf der Hand verloren hat – einfach weiter bluffen. Aber auch darüber hinaus fällt ihr nicht auf (oder sie rechnet damit, dass es anderen nicht auffällt), dass zwischen jungen Menschen, die keine Lösung gegen Kinderpornographie in Lampukistan haben, und einer Ministerin, die diese auch nicht hat, aber so tut, als hätte sie eine, ein grundlegender Unterschied besteht: Er lautet Aufrichtigkeit."

Freitag, Juli 31, 2009

Wenn das hier nicht...

...einer der drei,vier besten Trailer ist, die jemals gemacht wurden, weiss ich gar nichts mehr. Wow!

Sonntag, Juli 26, 2009

"Browserzwang", my ass...!

Der Streit zwischen der EU und Microsoft treibt immer neue Blüten: das hier ist schon wieder sowas von bescheuert, da fehlen einem die Worte. Ich bin kein Freund des IE, aber es ist nun wirklich vollkommen Wurst, welcher Browser da mit dem Betriebssystem ausgeliefert wird, ein anderer ist in wenigen Minuten installiert. Ein Ubuntu-Linux wird auch mit Firefox ausgeliefert, ein Kubuntu mit Konqueror und ich würde mal behaupten, ohne es jetzt definitiv zu wissen, dass Apple sein OS auch mit einem Browser versieht, vermutlich Safari. Ist ja auch alles in Ordnung so. Wäre die EU aber konsequent, müsste sie dagegen jetzt auch vorgehen, und gegen Apple sowieso, weil die ihre Hardware mit ihrem eigenen Betriebssystem zwangsverbundlen. Internetausdrucker wo man hinguckt...

Samstag, Juli 25, 2009

Der Mond, die Linsen und deutsche Qualitätsredaktionen

Ich bin offensichtlich nicht der einzige, dem die Formulierung, mit dem neuen Spiegelteleskop "GranTeCan" auf LaPalma könne man "einen Teller Linsen auf dem Mond" erkennen, merkwürdig vorkommt. Zu hören und lesen ist die ja in Presse, TV (im ÖR sowohl als auch bei den Privaten) und Radio momentan überall. Aber wie ich mir das schon gedacht habe, hat da offenbar nur die Agentur schlecht übersetzt und alle Qualitätsredaktionen schreiben das mal wieder gedankenlos ab:

"Nach kurzer Internetrecherche (vulgo "googeln") stieß ich auf einen Artikel des Magazins Canarias7 zur erfolgreichen First-Light-Nacht des GranTeCan am 13. Juli. Darin wird José Miguel Rodríguez Espinosa vom Instituto de Astrofísica de Canarias zitiert:
José Miguel Rodríguez Espinosa dijo que podría detectar un plato de potaje en la superficie lunar, y observar si está caliente o frío debido a los infrarrojos.
Also zu Deutsch: Das Teleskop kann einen Teller Eintopf auf der Mondoberfläche nachweisen, und anhand dessen Infrarotstrahlung feststellen, ob der Eintopf noch warm ist! In der deutschen Übersetzung wurde aus "potaje" dann "Linsen", in der englischen Version einfach "food".
"

Freitag, Juli 24, 2009

Zum Schlachten von Schweinen

Wendelin Wiedeking hat innerhalb von 15 Jahren die Porsche AG von einem verlustreichen zu einem der profitabelsten Unternehmen der Welt gemacht. Die Belegschaft und der Betriebsrat, das konnte man in den letzten Tagen überall lesen und hören, idolisiert und verteidigt ihn nach wie vor, das kommt so oft ja nun auch nicht vor. Die finanziellen Probleme der letzten Zeit hat er nur zu einem Teil zu verantworten. Die Abfindung, die er jetzt zu seinem Ausscheiden erhält, beträgt 50 Mio und ist damit deutlich geringer, als im Vorfeld allgemein gemutmasst wurde. Davon spendet Wiedeking die Hälfte und weist darauf hin, dass er weiterhin in Deutschland lebe und voll steuerpflichtig sei, wodurch ihm von der eigentlichen Summe letztendlich gut ein Viertel bleibt. Doch zu seinem Unglück ist gerade Wahlkampf in der Neidrepublik Deutschland, und so bekommt er es jetzt von allen Seiten:

"Der Vorgang sei skandalös, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß: „Die Spekulationsgewinne, die seine Rieseneinkommen der vergangenen Jahre angeblich rechtfertigten, haben sich vollständig in Luft aufgelöst, und seine Firma ist am Ende.“ Auch Wiedekings Ankündigung, er wolle die Hälfte spenden, ändere nichts an der Verwerflichkeit des Prinzips, für Missmanagement Millionen zu bekommen. Auch der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, kritisierte die Abfindung: „Diese Summe ist absurd hoch und steht in keiner Relation zu irgendeiner geleisteten Arbeit.“
Auch die CDU kritisierte die Abfindungssumme: „Die Gier im Land ist grenzenlos. Bei den Abfindungen für Manager stimmt schon längst nicht mehr das Verhältnis zur eigentlichen Leistung“, sagte der CDU-Abgeordnete Dirk Fischer.
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Merke: Du kannst eigentlich nichts richtig machen. Nimmst du lediglich dein vollkommen legitimes Recht auf die beim Abschluss deines Vertrages festgesetzte Abfindung wahr, bist du ein gieriges Schwein. Verzichtest du zu einem Teil darauf und spendest von dem Rest auch noch die Hälfte für wohltätige Zwecke, bist du auch ein giereiges Schwein. Am besten, du wanderst aus, aber halt: dann bist du ja ein Steuerflüchtling und damit, genau, erst recht ein gieriges Schwein.

Donnerstag, Juli 23, 2009

Harry Potter und die Augen des Blockwarts

Roger Ebert hat vor kurzem anlässlich des neuen Michael Bay Desasters die meines Erachtens schlüssige These aufgestellt, dass die große Ära des gemeinen Feld-, Wald- und Wiesen-Blockbusters bald vorbei sein könnte. Bei reinen Produktionskosten von 200 Mio und einem kolportierten nicht allzuviel geringeren Marketingbudget ist der kritische Punkt, ab dem ein Mehr an materiellem Schauwert durch die Einspielergebnisse letztlich nicht mehr finanzbierbar sein dürfte, nicht mehr allzufern:

"The day will come when "Transformers: Revenge of the Fallen" will be studied in film classes and shown at cult film festivals. It will be seen, in retrospect, as marking the end of an era. Of course there will be many more CGI-based action epics, but never again one this bloated, excessive, incomprehensible, long (149 minutes) or expensive (more than $200 million). Like the dinosaurs, the species has grown too big to survive, and will be wiped out in a cataclysmic event, replaced by more compact, durable forms."

Warner Brothers zeigt nun eine weitere Möglichkeit, Kosten zu verursachen, die ja auch irgendwie wieder hereinkommen müssen: in Magdeburg werden die zahlenden Zuschauer des neuen Harry Potter Films jetzt von Angestellten mit Nachtsichtgeräten beobachtet:

"Die Cinestar-Filialleiterin wehrte sich gegen den Vorwurf, cineastische Spitzel bereitwillig in ihr Haus zu lassen: “Wenn wir das nicht zugelassen hätten, würden wir von Warner keinen Film mehr bekommen”, klagte die Dame(...). Das glaube ich ihr sogar. Ich glaube auch, dass Warner so gar kein Problem mit der ganzen Sache hat, wie ein Sprecher bestätigte: “Wir möchten sicherstellen, dass Harry-Potter-Fans den neuen Film so sehen, wie die Filmemacher es vorgesehen haben: auf der großen Leinwand im Kino.” Das ist um drei Ecken gedacht und stellt jeden Kinogänger unter Generalverdacht."

Bei all dem wünscht man sich tatsächlich ein, zwei, viele "Heaven's Gates" der Gegenwart, auf dass die Filmndustrie sich neu sortieren möge. Und die Chancen, siehe oben, stehen vielleicht gar nicht so schlecht.